Innenhof des Klosters Myrtidiotissa auf Korfu mit Bougainvilleen und Blick auf das Meer, Pfau auf der Balustrade

Myrtidiotissa – Ein Kloster gegen die Zeit

Kompass Einleitung – Myrtidiotissa: Ein Gespräch mit Pater Daniel

Myrtidiotissa ist kein Ort, den man „mitnimmt“. Der Weg wird schmal, die Insel leiser und plötzlich steht man vor einem Kloster, das nicht um Aufmerksamkeit bittet. Genau deshalb bleibt es im Kopf.

In diesem Beitrag verbinden wir Reportage und Gespräch: die Geschichte von Pater Daniel, der seit Ostern 2006 im Kloster der Jungfrau Maria von Myrtidiotissa lebt und wirkt und die Wirklichkeit eines Ortes, der zwischen Gebet, Wiederaufbau, Natur, Tieren, Wanderern und Strandtourismus jeden Tag neu balanciert.

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Terrasse mit weißer Ballustrade am Kloster Myrtidiotissa auf Korfu

Hinweis: Das Kloster ist kein Museum mit festen Öffnungszeiten. Pater Daniel betreut zusätzlich Gemeinden in umliegenden Dörfern und muss bei Beerdigungen oder dringenden Diensten das Kloster schließen. Diese Realität ist Teil der Geschichte.
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Standort Karte & Kombi-Ausflug: Kloster, Strand, Galerie

Für einen runden Ausflug hilft eine kurze Orientierung: Monastery of Myrtidiotissa, Paralia Mirtiotissa (Strand unterhalb des Klosters), Glyfada Beach (bekannter Strand an der Westküste) – plus die Scheria-Elysium Gallery als möglicher Kultur-Stopp.

Tipp für eine Kombi, die sich gut anfühlt: erst die Stille am Kloster – am Nachmittag ans Meer. Glyfada haben wir hier ausführlich beschrieben: Glyfada Beach (Travel-Pape) .


Buch Weg, Herkunft & Athos

Der Weg nach Myrtidiotissa ist ein leiser Übergang. Je näher man kommt, desto weniger bleibt vom „Tagesprogramm“ übrig. Das Kloster steht nicht dafür, dass es besucht wird – es steht einfach da.

Pater Daniel ist der Sohn griechischer Auswanderer der zweiten Generation. Er wurde am 10. Oktober 1970 in Düsseldorf geboren, wuchs dort auf und besuchte das deutsche Gymnasium. 1989 ging er nach Griechenland, um seinen Militärdienst (Tripolis, später Xanthi) zu leisten.

„Man benötigt diesen Dienst für die griechische Staatsangehörigkeit. Um sie zu behalten, muss man in Griechenland dienen – in meinem Fall war das allerdings nur für kurze Zeit, gerade einmal sechs Monate.“

Nach dem Militärdienst arbeitete er in der Tourismusbranche, sprach vier Sprachen und kehrte 1994 nach Griechenland zurück, um als Reiseleiter zu arbeiten. So kam er mit Agion Oros (Berg Athos) in Kontakt – als Führer für Touristen, die Athos mit dem Schiff umrunden.

„Danach arbeitete ich als Reiseführer im Athos-Gebirge, der sogenannten Mönchsrepublik. Der Zutritt ist dort ausschließlich Männern erlaubt; Frauen dürfen das Gebiet nicht betreten und können die Halbinsel lediglich vom Schiff aus umrunden.“

Für viele bleibt Athos ein Mythos. Für ihn war es eine konkrete Erfahrung: Nähe auf Distanz, Klöster an steilen Küsten – und eine Stille, die man nicht erklären muss.

Kerze Jerusalem, Übergänge & Ankunft auf Korfu

1996 folgte Pater Daniel einer Einladung nach Jerusalem. Dort lernte er die Gebete und Rituale kennen und wurde im Juni 1996 vom Patriarchen Diodoros zum Laienbruder geweiht. Später diente er auf Athos als Laienbruder, kehrte 2002 nach Jerusalem zurück und wirkte mit dem Segen des Patriarchen Ereneos in Bethlehem, wo er zum Mönch geweiht wurde.

„Kurz darauf begann die Intifada und der Krieg. Zu dieser Zeit befand ich mich in Bethlehem, in der Geburtskirche, und verließ anschließend Israel.“

Begriffserklärung: Intifada
Der Begriff Intifada stammt aus dem Arabischen und bedeutet wörtlich „Aufstand“ oder „Abschütteln“. Er bezeichnet palästinensische Aufstandsbewegungen gegen die israelische Besatzung. Besonders bekannt sind die erste Intifada (ab 1987) und die zweite Intifada (ab 2000), die jeweils von massiven Spannungen, Gewalt und militärischen Auseinandersetzungen geprägt waren.

Nach der Rückkehr nach Griechenland führte der Weg zunächst nach Korfu.

„Ich war ein Jahr im Kloster von Paleokastritsa, bis ich in Myrtiotissa ein Zimmer vollständig renoviert hatte.“

Paleokastritsa empfand er als überlaufen. Seine Aufgaben waren sehr praktisch: Tiere füttern und pflegen, Pilger begleiten und Führungen machen – Dienst, aber kein Ankommen.

„Für mich ist Paleokastritsa völlig überlaufen von Touristen, weshalb es mich nicht besonders gereizt hat, dort zu bleiben. Meine Aufgaben bestanden darin, die Tiere zu füttern und zu pflegen sowie Pilger durch das Kloster zu führen.“

Zu Ostern 2006 wurde er schließlich nach Myrtidiotissa entsandt. Was ihn erwartete, war keine Idylle, sondern Verfall: Ruine, zerstörte Gebäude, keine Straße – bis heute kein wirklich guter Weg.

„… um das Myrtidiotissa-Kloster zu übernehmen, das damals eine Ruine war. Es war völlig zerstört, es gab keine Straße – und bis heute existiert keine wirklich gute Zufahrt.“

Welle Alltag, Strand & was Besucher wissen sollten

Der Wiederaufbau geschah nicht „aus einem großen Vermögen“, sondern aus Hilfe – oft von Menschen, von denen man es nicht erwarten würde.

„Gespendet haben Menschen ganz unterschiedlicher Glaubensrichtungen: Muslime, Buddhisten, Atheisten – eigentlich alle. Sie haben geholfen aus Respekt vor der Natur, den Tieren und wegen der besonderen Energie dieses Ortes.“

Gleichzeitig ist Pater Daniel nicht nur für das Kloster verantwortlich. Er betreut zusätzlich Gemeinden in Dörfern. Als Priester in Griechenland ist man auch staatlicher Beamter – und damit gebunden an Dienste, die nicht planbar sind.

„Gleichzeitig war ich auch für eine oder sogar mehrere Gemeinden verantwortlich – ganze Dörfer. Denn in Griechenland ist man als Priester zugleich staatlicher Beamter und muss zusätzlich den Dienst in einer Gemeinde übernehmen.

„Seitdem ist das Kloster zwar geöffnet, aber nicht täglich. Ich muss regelmäßig in der Gemeinde sein, und manche Touristen beschweren sich, wenn das Kloster geschlossen ist oder ich nicht vor Ort bin. Doch sobald eine Beerdigung oder ein anderer dringender Anlass dazwischenkommt, muss ich schließen. Feste Öffnungszeiten kann ich daher nicht garantieren – dafür bitte ich um Verständnis.“

Unterhalb des Klosters befindet sich außerdem ein Restaurant, das zum Kloster gehört – genutzt für Touristen, aber auch für Hochzeiten, Taufen und Feiern. Dazu kommt die Lage am Corfu Trail: Wanderer (Hiker) kommen hier vorbei – ebenso Strandbesucher.

Der Strand unterhalb des Klosters wird oft als „Nacktstrand“ bezeichnet. Pater Daniel widerspricht dem ausdrücklich: Er sei kein offizieller Nacktstrand, Nacktbaden sei verboten – und es könne vorkommen, dass die Polizei eingreift und Bußgelder verhängt.

„Es wird oft behauptet, hier unten gebe es einen Nacktstrand, doch offiziell ist es keiner. Nacktbaden ist verboten, und es kann vorkommen, dass die Polizei einschreitet. In diesem Fall drohen entsprechende Geldstrafen.“

Tipp für eine Kombi, die sich gut anfühlt: erst Myrtidiotissa (Stille, Aussicht, Geschichte), danach ein späterer Nachmittag am Meer – z.B. am Glyfada Beach. Den Strand haben wir hier ausführlich beschrieben: Glyfada Beach auf Korfu (Travel-Pape) .

Der wichtigste Feiertag des Klosters ist der 24. September – der Tag der Auffindung der Ikone in einer Höhle unter einem Myrtenstrauch. Der Überlieferung nach soll sie von Jüngern des Apostel Lukas gemalt worden sein; sie wird in einer Kapelle aufbewahrt und zieht Pilger an.

Zur Gründungsgeschichte gehört die Erzählung, das Kloster sei 1530 von einem konvertierten osmanischen Prinzen erbaut worden, der den Namen Daniel erhielt. Pater Daniel trägt diesen Namen ebenfalls seit seiner Mönchsweihe.

„… er erhielt den Namen Daniel – und bei meiner Mönchsweihe habe auch ich seinen Namen angenommen.“

Marienikone in einer kleinen Höhle unter einem Myrtenstrauch auf Korfu

Das Kloster begeht seinen Feiertag am 24. September, dem Tag des Fundes einer Marienikone in einer kleinen Höhle unter einem Myrtenstrauch. Der Überlieferung zufolge soll sie von Jüngern des Apostels Lukas gemalt worden sein.

Die Ikone wird heute in einer Kapelle des Klosters aufbewahrt und ist Ziel von Pilgern. Das Kloster wurde 1530 von einem zum Christentum konvertierten osmanischen Prinzen gegründet, der bei seiner Taufe den Namen Daniel annahm.


Einkaufstasche Produkte aus dem Kloster – Unterstützung im Stillen

Da das Kloster über kein großes Vermögen verfügt und seine Einnahmen minimal sind, werden Reparaturen, Instandhaltung und die tägliche Tierpflege durch Spenden und den Verkauf ausgewählter Produkte finanziert.

Natürliche Heil- und Aromakräuter

Innerhalb der Grenzen des Klosterwaldes werden an Stellen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden und daher nicht mit Chemikalien oder Düngemitteln behandelt wurden, Wildkräuter gesammelt und nach schonender natürlicher Behandlung verarbeitet. Dazu gehören unter anderem:

  • Salbei (Salvia officinalis)
  • Bergtee (grüner lokaler Tee)
  • Kamille
  • Origanum (wilder Majoran)
  • Thymian
  • und weitere Kräuter

Handgefertigte Souvenirs

Im Kloster finden Besucher außerdem handgefertigte Souvenirs wie kleine Kreuze, Ikonen und Andachtsgegenstände.

Bücher zur Klostergeschichte

Zusätzlich gibt es zwei Bücher, die unter der Aufsicht des Heiligen Klosters Paleokastritsa veröffentlicht wurden: „Chronisches Memorandum“ (zur Geschichte von Myrtidiotissa) sowie „Die Bibliothek des Klosters der Jungfrau Maria von Myrtiotissa auf Korfu“ (zu Büchern und Dokumenten der Klosterbibliothek).

Luftaufnahme des Myrtiotissa-Klosters auf Korfu, eingebettet in bewaldete Hänge oberhalb der Küste
Luftaufnahme des Myrtiotissa-Klosters auf Korfu, eingebettet in bewaldete Hänge oberhalb der Küste

Stern Schluss – Ein Ort, der bleibt

Myrtidiotissa ist kein Ort, der gefallen will. Er ist kein Programmpunkt, kein Versprechen, kein „immer offen“. Er ist Arbeit, Gebet, Natur – und Verantwortung.

Vielleicht bleibt er gerade deshalb: weil er nicht so tut, als wäre er jederzeit verfügbar. Weil hier nicht Inszenierung zählt, sondern das, was Tag für Tag getragen werden muss.

Herzlichen Dank

Mein herzlicher Dank gilt Pater Daniel für das offene Gespräch und die eindrucksvollen Einblicke in das Leben, die Geschichte und den spirituellen Alltag des Myrtiotissa-Klosters.

Zur Website des Myrtiotissa-Klosters