Sandra und Angelos produzieren auf Korfu handgemachtes Olivenöl in Spitzenqualität. Ein Interview über Herkunft, Handwerk und Leidenschaft.

Olivenölproduktion auf Korfu – Im Gespräch mit Sandra & Angelos

Im Gespräch mit Sandra & Angelos

Ein exklusives Interview von Patrick Pape (Travel-Pape.de)

Sandra und Angelos produzieren auf Korfu ein ganz besonderes Olivenöl – naturbelassen, handgemacht und voller Charakter. Im Interview mit Patrick Pape sprechen sie über alte Olivenbäume, biologische Produktion, Rituale, die Kraft der Lianolia-Olive und ihren persönlichen Weg von der Idee zur erfolgreichen Umsetzung.

Angelos

🥜 Angelos
Olivenbauer

Patrick Pape

🎤 Patrick Pape
Interviewer

Sandra

🇨🇭 Sandra
Produzentin

🌿 Gründung & Motivation

🎤 Patrick: Wie kam es zur Idee, eine Olivenölfirma zu gründen? Wann habt Ihr gegründet?

🇨🇭 Sandra: Angelo hat mich eines Tages gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Olivenöl mit ihm zu produzieren. Ich dachte erst: "Olivenöl gibt's doch wie Sand am Meer." Aber er sagte: "Wir machen nicht irgendein Olivenöl – wir machen Das Olivenöl.

🇬🇷 Angelos: Ich bin mit Olivenbäumen aufgewachsen. Es hat mich immer gestört, dass wir unser Öl in schlechter Qualität billig nach Italien verkauften und die machten dann teures Markenöl daraus. Ich wollte ein Premiumprodukt selbst herstellen – auf hohem Niveau. Wir mussten zuerst lernen, was die anderen besser machen als wir um ein Premiumprodukt herstellen zu können.

🎤 Patrick: Wann habt ihr euer Unternehmen gegründet, und wie lief der Start eurer Olivenölproduktion ab?

🇨🇭 Sandra: Wir haben bereits 2016 von der Schweiz aus eine Firma gegründet, da auf Korfu viele Dinge etwas länger dauern. Der Umzugstermin stand damals schon fest, und 2018 sind wir dann tatsächlich hergekommen. Im Oktober 2018 haben wir zum ersten Mal Öl produziert – aber das Geschäft selbst ist schon 2016 entstanden.


🛠️ Olivenölproduktion im Detail

🎤 Patrick: Was unterscheidet eure Methode von der traditionellen griechischen Ernte?

🇨🇭 Sandra: Viele lassen die Oliven einfach vom Baum fallen und lagern sie dann tagelang in Säcken – für uns ist das Ausschussware. Unsere Oliven hingegen kommen innerhalb weniger Stunden nach der Ernte in die Mühle: frisch gepflückt, kühl gelagert und sorgfältig geschützt.

🇬🇷 Angelos: Die teils 200 bis 400 Jahre alten Bäume haben wir über einen Zeitraum von fünf Jahren sorgfältig zurückgeschnitten, um die Erntebedingungen zu verbessern.

🎤 Patrick: Wie viel Oliven müsst ihr verarbeiten, um eure jährliche Olivenölmenge zu gewinnen – und wann beginnt bei euch die Erntezeit?

🇨🇭 Sandra: Wir haben drei Tonnen Olivenöl – das bedeutet, wir haben dafür etwa 30 Tonnen Oliven verarbeitet. Die Ernte beginnt bei uns Mitte September und kann sich bis in den Dezember oder sogar bis Anfang Januar hineinziehen. Also, wichtig ist, dass du jeden Tag in die Mühle fährst.

🎤 Patrick: Wie sorgt ihr dafür, dass die Oliven nach der Ernte frisch bleiben, bevor sie in die Mühle kommen?

🇨🇭 Sandra: Die Oliven sollten idealerweise spätestens nach 4–5 Stunden in die Mühle – das ist in der Praxis zwar schwer umzusetzen, aber wir geben unser Bestes, sie zu schützen. An warmen Tagen lagern wir sie nur im Schatten oder decken sie mit Styropor ab, damit sie kühl bleiben. In der Regel fahren wir dann am Nachmittag gegen drei oder halb vier zur Mühle – letztes Jahr hat die Fahrt etwa anderthalb Stunden gedauert.

🎤 Patrick: Warum habt ihr euch entschieden, eure Oliven in einer externen Mühle verarbeiten zu lassen – und welche Rolle spielt dabei die Wahl der Mühle?

🇨🇭 Sandra: Weil eine gute Mühle entscheidend ist – sie macht etwa 90 % der Qualität des Olivenöls aus. Unser ursprünglicher Traum war es, eine eigene Mühle zu besitzen. Darauf haben wir anfangs hingearbeitet, aber im Laufe der Jahre wurde klar, dass das finanziell zu riskant wäre.

🇬🇷 Angelos: Heute bringen wir unsere Oliven in eine neue Bio-Mühle in Arillas im Norden Korfus. Sie ist Bio-zertifiziert, was für uns zwingend notwendig ist. Der Betreiber achtet sehr darauf, dass wir mit unseren hochwertigen, unbehandelten Oliven nicht in Kontakt mit Rückständen anderer Chargen kommen – wir dürfen meist sogar als Erste pressen. Auch die gründliche Reinigung der Mühle ist uns extrem wichtig – denn Verunreinigungen durch konventionelle Öle dürfen bei uns nicht vorkommen.

🎤 Patrick: Wie läuft bei euch die Verarbeitung der Oliven in der Mühle ab – und welche Schritte sind dabei besonders wichtig?

🇨🇭 Sandra: Zuerst sortieren wir die Oliven sorgfältig von Hand: Wir entfernen die Blätter und sortieren alle schlechten Oliven aus – das ist mein Job. Nur die besten Früchte kommen weiter. In der Mühle werden die Oliven dann zuerst gemahlen. Danach folgt der Einsatz eines Weichmachers, bevor die Masse in einen Separator kommt. Anschließend trennt eine Zentrifuge das Wasser vom Öl. Das gewonnene Öl füllen wir in 50-Liter-Edelstahlfässer (Inox-Fässer) ab – so bleibt es frisch und qualitativ hochwertig.


🧪 Analysen & Qualitätskontrolle

🎤 Patrick: Wie stellt ihr sicher, dass jedes Öl gleichbleibend hohe Qualität hat?

🇨🇭 Sandra: Wir messen täglich den Säuregehalt (unter 0,3 ist unser Ziel). Am Ende der Ernte lassen wir eine umfassende Laboranalyse machen – Säure, Polyphenole, Oxidationswerte usw.

🇬🇷 Angelos: Wir erkennen Qualität auch durch Erfahrung – am Geschmack, der Fruchtigkeit, dem typischen „Kratzen“ im Hals. Lianolia-Olive ist kräftig, bitter, scharf – so, wie es sein soll.


🍃 Olivensorten & Besonderheiten

🎤 Patrick: Welche Sorte verwendet ihr, und was macht sie besonders?

🇨🇭 Sandra: Wir arbeiten mit der Sorte Lianolia – die wächst nur auf Korfu. Sie ist geschmacklich sehr kräftig und charaktervoll.

🇬🇷 Angelos: Andere Sorten wie Koroneiki sind leichter. Lianolia ist komplex: fruchtig, bitter, pikant – in Balance. Sie sorgt oft für ein „Husten“ nach dem Probieren – das ist ein Qualitätsmerkmal.

🎤 Patrick: Wie beeinflusst die Umgebung den Geschmack eures Olivenöls – und welche Aromen kann man darin wiederfinden?

🇨🇭 Sandra: Olivenöl nimmt den Geschmack der Natur auf, in der die Bäume wachsen. Eine Frau meinte einmal, unser Öl schmecke nach Artischocke – und tatsächlich wachsen auf unserem Land wilde Artischocken. Auch Tomatenaromen sind erkennbar.

🇬🇷 Angelos: Das hängt nicht nur vom Boden und der Umgebung ab, sondern auch von der Olivensorte – in unserem Fall ist das die Sorte „Lianolia“, die von Natur aus solche geschmacklichen Nuancen mitbringt.

🎤 Patrick: Welche Olivensorten gibt es in Griechenland – und wie unterscheiden sie sich regional?

🇬🇷 Angelos: In Griechenland gibt es insgesamt 27 verschiedene Olivensorten. Auf Kreta zum Beispiel findet man häufiger Sorten wie Zunati oder Athinolia – das sind traditionelle, alte Sorten. Ebenfalls weit verbreitet ist die Koroneiki, die in vielen Regionen Griechenlands angebaut wird. Jede Sorte hat ihre eigenen geschmacklichen Eigenschaften und eignet sich unterschiedlich gut für die Ölproduktion.

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🧪 Olivensorte & Gesundheit

🎤 Patrick: Was macht eure Olivensorte so besonders – und wie wirkt sich das auf den Geschmack und die gesundheitliche Qualität eures Öls aus?

🇨🇭 Sandra: Unsere Sorte – „Lianolia Kerkiras“ – wächst ausschließlich auf Korfu. Sie zeichnet sich durch ein besonders charakterstarkes Profil aus: fruchtig, bitter, pikant und scharf in perfekter Balance. Wer unser Öl probiert, erkennt sofort den Unterschied zu gängigeren Sorten wie der Koroneiki.

🇬🇷 Angelos: Viele müssen beim ersten Schluck husten – das ist ein gutes Zeichen, denn es deutet auf einen hohen Polyphenolgehalt hin. Wir erreichen teilweise über 900 mg/kg – das ist dreimal so viel wie für den offiziellen EU-Gesundheitsanspruch („Health Claim“ nach EU 432/2012) notwendig. Dieser besagt, dass Polyphenole aus Olivenöl bei einer täglichen Aufnahme von 20 g dazu beitragen, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen.


🛒 Vermarktung & Vertrieb

🎤 Patrick: Wo kann man euer Öl kaufen und was kostet es?

🇨🇭 Sandra: Wir verkaufen in aktuell 17–18 Ländern. Der Direktverkauf läuft gut – auch vor Ort in Korfu. Die 0,5-Liter-Flasche kostet 39 €, die 1,5 Liter-Inox-Kanne 55 €. Glas ist teurer, aber Inox ist hygienischer und schützt das Öl besser.

🇬🇷 Angelos: Der Versand kostet 25 €, egal ob für eine oder sechs Flaschen – also lohnt es sich, mit Freunden zusammen zu bestellen.

🇨🇭 Sandra: Ursprünglich haben wir fast nur über Wiederverkäufer verkauft – Hotels, Delikatessläden, Restaurants. Seit Kurzem haben wir auch unseren eigenen Verkaufsraum vor Ort auf Korfu.

🇬🇷 Angelos: Kleine Hotels können es sich oft nicht leisten – unser Öl ist Premium. Es ist nur für die Küche gedacht, nicht zum Braten.


🎁 Weitere Produkte & Ideen

🎤 Patrick: Plant ihr weitere Produkte rund ums Olivenöl?

🇨🇭 Sandra: Wir haben bereits Thymianhonig eingekauft, den wir unter unserer Marke „Olithea“ anbieten. Auch ein hochwertiges Fleur de Sel gehört inzwischen zu unserem Sortiment – es passt wunderbar zu frischen Tomaten mit Olivenöl und wird gerne bei Verkostungen verwendet.

🇬🇷 Angelos: Darüber hinaus planen wir weitere Produkte wie Naturseifen sowie edle Geschenkpackungen mit 250-ml-Flaschen Olivenöl. Diese sollen zum Teil mit besonderen Zutaten verfeinert werden – etwa mit essbarem Blattgold oder weißem Trüffelgeschmack.


🌿 Spirituelle Verbindung zu den Bäumen

🎤 Patrick: Welche Rolle spielt für euch die Natur in der Produktion?

🇨🇭 Sandra: Eine sehr große! Für uns sind Olivenbäume lebendige Wesen mit Geschichte. Wir begrüßen sie, danken ihnen bei der Ernte, segnen die Oliven – und verabschieden jede Flasche mit guten Wünschen.

🇬🇷 Angelos: Diese Bäume tragen die Energie unserer Vorfahren. Wir arbeiten ausschließlich biologisch, aus Respekt vor der Natur. Für uns ist das ein tägliches Ritual.


🌳 Alte Bäume & Lebensdauer

🎤 Patrick: Wie alt sind eure Olivenbäume?

🇨🇭 Sandra: Einige sind über 500–600 Jahre alt, manche sogar über 1.000 Jahre. Wir haben aber auch junge Bäume, die wir selbst gepflanzt haben und die jetzt die ersten Früchte tragen. Olivenbäume können über 3.000 Jahre alt werden – das ist beeindruckend.


🐛 Pflanzenschutz & Bio-Maßnahmen

🎤 Patrick: Wie schützt ihr eure Bäume vor Schädlingen?

🇬🇷 Angelos: Es gibt eine Olivenfliege, die die Früchte zerstören kann. Wir spritzen unsere Bäume nicht chemisch, sondern mit Kaolin-Pulver – das ist ein weißer Naturstein, der die Früchte „schmutzig“ aussehen lässt. So meiden die Fliegen sie.

🇨🇭 Sandra: Die Methode ist biologisch und sanft. Wir schützen die Oliven – ohne die Insekten zu töten. Nachhaltigkeit steht für uns an oberster Stelle.


♻️ Zweitqualität & Restverwertung

🎤 Patrick: Was passiert mit nicht perfekten Oliven?

🇨🇭 Sandra: Die sortieren wir konsequent aus – daraus machen wir z. B. Seife oder Öl zum Kochen, aber es kommt niemals in unsere Premium-Flaschen. Eine Mitarbeiterin hat das mal „Fleischöl“ genannt, weil da kleine Würmchen drin waren – seitdem lachen wir darüber. Aber wir werfen nichts weg.

🇬🇷 Angelos: Diese Bäume tragen die Energie unserer Vorfahren. Wir arbeiten ausschließlich biologisch, aus Respekt vor der Natur. Für uns ist das ein tägliches Ritual.


📸 Tourismus & Einblicke vor Ort

🎤 Patrick: Kann man euch auf Korfu besuchen?

🇨🇭 Sandra: Unbedingt! Wir freuen uns über jeden, der vorbeikommt – vor allem während der Erntezeit im Herbst. Gerne bieten wir Verkostungen (Degustationen) an und erklären unsere Arbeit direkt vor Ort. Es ist etwas Besonderes, unsere Bäume, das Öl und die Philosophie live zu erleben.

🇬🇷 Angelos: Auch korfiotische Rezepte mit Olivenöl gibt es dann – ein Rundum-Erlebnis für Genießer.


🙏 Herzlichen Dank!

Sandra und Angelos, vielen Dank für das offene und inspirierende Gespräch. Eure Leidenschaft für Qualität, Nachhaltigkeit und die Liebe zu Korfu spiegeln sich nicht nur in eurem Olivenöl wider, sondern auch in jedem eurer Worte.

Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg mit „Olithea“ und freuen uns, euren Weg weiter zu verfolgen! 👉 Zur Website von Olithea